ZeitenSprünge

30 Jahre ATELIER Römerberg e.V.
Ausstellung im Rathaus Wiesbaden
vom 11. November – 2. Dezember 2011
Vernissage: 11. November 2011, 19 Uhr




"Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazu zu tun hat,

und die Form ist ein Geheimnis den meisten."

J. W. v. Goethe




Thomas Duttenhoefer   Foto © R. Fischenich, Wiesbaden


Nachdenkliches

Vor geraumer Zeit fragte ich den neuen Leiter eines hessischen Kunstinstitutes, ob denn die Gestaltungskriterien von Plastik und Malerei noch eine Rolle spielen. Ein knappes Nein war die Antwort. Also die gestalterischen Phänomene der Peinture, die Hans Purrmann so anschaulich als das Credo der französischen Ateliersprache schilderte, scheinen ebenso obsolet geworden wie die plastischen Erscheinungen von Raum und Volumen, Dehnung und Stauchung, Silhouette, Kontur usw.. Wobei die Gleichgültigkeit gegenüber den elementaren Grundlagen inzwischen vielfach anzutreffen ist.

Waren es gerade die Künstler gewesen, die der Gründungsdirektor jenes Institutes gezeigt und enorme Aufmerksamkeit erhielt, die genau die Gestaltungsmerkmale als unabdingbar erachteten und dokumentier-

ten.

Als wir vor dreißig Jahren das Atelier am Römerberg gründeten, waren die kurz erwähnten Gestaltungsmerkmale innerer Anlass und Verpflichtung. Sie sind es bis heute!

Der Mensch lernt aus der Anschauung und nicht aus dem Begriff. Wir suchen nach Farben und Formen der Natur, aber wir machen uns nicht zu deren Sklaven. Wir ordnen die Erscheinungen zum Bild durch Abstrahieren aus der Fülle des Wahrnehmbaren.

Wir erproben und erfahren uns und unsere Umwelt durch unseren gestalterischen Ansatz und seiner Vertiefung.

Wir können berichten vom sinnlichen Vergnügen am Schaffen, von Triumph und Zweifel, vom Erlebnis von Farbe und Form.

Dem Künstler unter den Gestaltenden gelingt es, seine ureigenste Sensibilität mit den Eigengesetzlichkeiten seines gefundenen Materials in Einklang zu bringen, es gewissermaßen aus seinem Ursprung heraus zu lösen.

Das ist nicht wenig, und letztlich versuchen wir, uralte Phänomene des Gestaltens fortzuschreiben auch in dem Bewusstsein, dass das Haus der Kunst viele Zimmer hat.

Prof. Thomas Duttenhoefer